3. August 2021

Ulrich Tornow: Liberal, streitbar, zielorientiert und „kein bisschen leise“

Dr. Ulrich Tornow

Zum Abschied von Dr. Ulrich Tornow

In einer Zeit, als das Bekenntnis zum Liberalismus in der DDR und zur LDPD durchaus mit Risiken und Konsequenzen für die berufliche Entwicklung verbunden sein konnte, entschied sich der junge Tierarzt Dr. Ulrich Tornow im Februar 1963 zum Eintritt in die LDPD. Obwohl die LDPD Teil des Demokratischen Blocks der Parteien in der DDR war, waren Liberale anders. Das war auch sein Credo für sein politisches Engagement in der LDPD.

Sein Engagement wurde geachtet und gefördert, so dass er bald Verantwortung für die Partei in Bergfelde als langjähriger Vorsitzender und Gemeindevertreter, in verschiedenen Gremien im Kreis Oranienburg und auch als Nachfolgekandidat der Volkskammer der DDR übernahm. Ich lernte Ulrich Tornow 1988, als ich nach Hohen Neuendorf kam, kennen. Sehr schnell verband uns nicht nur das liberale Engagement – wir hatten auch noch eine weitere gemeinsame Leidenschaft, das Skatspielen. Im Januar 1989 lud er mich zum Preisskat ein – ich war begeistert von seiner Vitalität und ließ ihn nicht mehr los. Fortan organisierten wir gemeinsam den jährlich stattfindenden „Liberalen Preisskat zum Jahresauftakt“, der sich immer größerer Beliebtheit erfreute. Waren es anfänglich nur 10-15 Teilnehmer, erreichten wir 2012 mit 100 Teilnehmern die Grenze der lokalen Möglichkeiten.

Nach dem Zusammenschluss von Bergfelde und Hohen Neuendorf im Jahr 1993 folgten die Ortsverbände der FDP dieser Entwicklung konsequent und vereinigten sich mit Borgsdorf zu einem Ortsverband. Uli Tornow wurde für mich als Ortsvorsitzenden der wichtigste Verbündete im Ringen um die gesellschaftliche Präsenz und kommunalpolitische Akzeptanz der FDP in Hohen Neuendorf. Folgerichtig wurde  Dr. Tornow Gemeindevertreter und nach der Ernennung zur Stadt 1999 Stadtverordneter. Auch von den politischen Mitbewerbern wurde sein konsequentes Auftreten im Interesse der Bürger und zum Wohle der Stadt geschätzt. Dabei unterschied er sich von vielen Kommunalpolitikern dadurch, dass er nicht den populistischen Forderungen von Einzel- oder Gruppenmeinungen folgte. Dabei profitierte er auch aus den vielen Gesprächen mit Bürgern, die seine fachliche Kompetenz als Kleintierarzt schätzten. Wenn er etwas für richtig erkannt hatte, verteidigte er seine Positionen auch gegen Widerstände aus Biertischgesprächen.

Zu seinem 65. Geburtstag sagte er zu mir: „Jetzt bin ich 65, aber kein bisschen leise.“  Ja, wir waren im Ortsverband sehr froh, ihn zu haben und dass er unüberhörbar war – dabei nie besserwisserisch.

Ja, er war auch streitbar, aber immer zielorientiert. Und nein, was er machte, machte er nie für den persönlichen Erfolg oder Nutzen.

Auch wenn sich Ulrich Tornow in den letzten Jahren aus dem politischen Geschehen zurückzog, hatte ich bei meinen regelmäßigen Gesprächen mit ihm immer das Gefühl und die Bestätigung dafür, dass ihm die Ortspolitik im Allgemeinen und die Entwicklung und das Engagement des Ortsverbandes der FDP im Besonderen am Herzen lag. Besonders, dass viele junge Menschen den Weg zu uns finden, hat ihn gefreut, dass wir nun der mitgliederstärkste Ortsverband in Oberhavel sind, auch. Könnte er heute mit den Jungen reden, würde er ihnen sagen: „Das wichtigste ist, dass ihr euren liberalen Überzeugungen treu bleibt, dass ihr aufrichtig und glaubwürdig seid, das allein zählt.“ Wie sehr sich Dr. Tornow den Liberalen verbunden fühlte, kann man auch in seinen Erinnerungen „Ein Leben mit Tieren und für Tiere“ nachlesen. Dr. Tornow hat Spuren hinterlassen – ich trauere um einen Freund und politischen Partner und auch Ratgeber. Eines von ihm bleibt auf Dauer – er ist der Schöpfer des Bergfelder Ortswappens, erfochten von ihm und beschlossen von der Stadtverordnetenversammlung mit Unterstützung des Ortsverbandes der FDP.

Foto: privat; Text: Klaus Schuster

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